Geschichte der Seebrücke

Seebrücke 1912
Seebrücke 1912

Eine Seebrücke ist in Schönberg eigentlich nichts Neues!

 

Mit dem Bau der Kiel-Schönberger Eisenbahn 1897 begann in unserer Gemeinde die touristische Entwicklung, die sich zunächst auf den Schönberger Strand konzentrierte. Hier entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts verschiedene Hotels und es wurde kräftig investiert. 1910 hatte Schönberg 1.558 Einwohner. In diesem Jahr zählte man bereits mehr Kurgäste als Einwohner. 2000 Urlauber kamen und rund 7000 Passanten, wie man die Tagesgäste damals nannte. In dieser ökonomischen Aufbruchstimmung entschlossen sich zwei Hotelbesitzer vom Schönberger Strand in die Offensive zu gehen und für 30.000 Reichsmark eine Seebrücke zu bauen.

Die 304 m lange Landungsbrücke aus Holz wurde am 23. Juli 1912 eröffnet. Sie führte vom Meer aus über den Strand bis auf die Deichkrone, direkt vor Heuer’s Hotel (heute Aparthotel „Seeblick“). Von nun an gab es eine regelmäßige Dampferverbindung zwischen Kiel und dem Schönberger Strand. Es folgte zwei Jahre später die Erweiterung der Eisenbahnstrecke von Schönberg aus bis zum Schönberger Strand. Die positive touristische Entwicklung endete abrupt im August 1914, mit Beginn des ersten Weltkrieges. Eine Landung des Feindes sollte verhindert werden. Deshalb beschloss das deutsche Militär. bereits zu Beginn des 1. Weltkrieges, die Brücke wieder zu sprengen. Aus Angst vor dem Feind übergoss man die touristische Attraktion mit Petroleum und häufte Stroh auf ihr an.


Als die Brücke nach dieser Sprengung immer noch nicht ganz zerstört war, wurde sie mit Axt und Säge weiterbearbeitet. Damit dauerte die Schönberger „Brückenherrlichkeit“ nur rund 25 Monate, vom 23. Juli 1912 bis zum 3. August 1914. Jahrzehnte konnten die Schönberger ihren Wunsch nach einer neuen Seebrücke nicht realisieren und auch ein Anlegesteg von 25 Meter Länge, der 1925 errichtet wurde, fiel Eisgang und Herbststürmen zum Opfer. Einen weiteren Versuch gab es 1970, als Soldaten der 2. Batterie des Flugabwehrbataillons VI aus Lütjenburg im Rahmen einer Übung eine „kleine Seebrücke“ als Anleger für Motorboote errichteten. Schon nach kurzer Zeit war auch dieser Bootsanleger den Kräften des Meeres nicht mehr gewachsen. In der Planungsphase des Ferienzentrums Holm, das 1972 in Betrieb genommen wurde, entstand erneut die Idee, eine Seebrücke zu errichten. Sie sollte dieses Mal als Ergänzung zum Ferienzentrum in Kalifornien entstehen. Aber auch diese Pläne ließen sich nicht verwirklichen. Es fehlte am Geld.


Eine private Initiative, einen Schiffsanleger und Sportboothafen am Schönberger Strand zu bauen, scheiterte in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts an der mangelnden Zustimmung der Landesplanung. 1995, als die Landesregierung das 1. Regionalprogramm auflegte, griff die Gemeinde sofort die Seebrückenidee wieder auf und bemühte sich um Zuschüsse, weil sie allein ein solches Projekt nicht finanzieren konnte.
Ihre Bemühungen blieben erfolglos. Mit dem Regionalprogramm 2000 bot sich eine erneute Chance, Zuschüsse zu erhalten. Diese Chance nutzte die Gemeinde Schönberg. Sie suchte und fand Unterstützung beim Tourismus-Ministerium des Landes, dem Regionalbeirat der K.E.R.N. Region, dem Kreis Plön, der Stadt Kiel und bei den Gemeinden in der Probstei. Die Kosten für das Projekt beliefen sich auf 2,8 Mio DM. 2Mio DM konnten als Zuschüsse eingeworben werden und 740.000 DM brachte die Gemeinde auf. Aber auch Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich im Rahmen einer Sponsoring-Aktion mit rund 60.000 DM. Den Zuschlag für den Seebrückenbau erhielt die Firma Strabag, Stralsund, die ihrerseits die Firma Armin Stoltenberg aus Fiefbergen mit den landseitigen Arbeiten beauftragte. Das Planungskonzept für die Brücke wurde von der Firma b+o-Ingenieure aus Hamburg entwickelt. Am 30. Juni 2001 feierte die Gemeinde mit mehr als 25.000 Menschen die Eröffnung. Fast auf den Tag genau nach 87 Jahren hatte Schönberg wieder eine Seebrücke.